Dienstag, 20. Januar 2015

greenfietsen 2015 - Wo soll es hingehen?

Anderthalb Jahre! So lange reise ich jetzt schon mit dem grünen Fahrrad durch die bunte Welt des Nähens, Fotografierens und Bloggens. Was für eine fantastische, was für eine spannende Zeit! Unglaublich, was sich währenddessen alles entwickelt hat. Ein Leben ohne greenfietsen, ohne den Blog und ohne euch - Das kann ich mir echt nicht mehr vorstellen. Ich liebe es einfach, hier zu schreiben, meine Erfahrungen und Ideen zu teilen und mit euch ins Gespräch zu kommen. Jetzt zum neuen Jahr bin ich mal kurz abgestiegen, habe einen Blick über die Schulter geworfen, über vieles nachgedacht und überlegt, in welche Richtung es weitergehen soll.
  

Auch 2015 möchte ich weiterhin eifrig aus dem Nähkästchen plaudern und euch, so gut ich kann, unterhalten, informieren und inspirieren. Immer nur zu zeigen, was mir aktuell vom Nähtisch gehüpft ist, finde ich auf Dauer zu langweilig, deshalb soll es 2015 noch mehr Abwechslung im Blog geben: Tutorials, Interviews, Buchrezensionen und andere interessante oder lustige Specials rund um's Nähen und Selberwerkeln. Ich hoffe, ich kann euch ein ums andere Mal überraschen. Eine To-Sew-List wird es auch in diesem Jahr nicht bei mir geben; da bleib ich meinem Motto treu. Mehr Raum für spontane, kreative Einfälle - Das ist es, was ich mir wünsche. Ganz sicher weiß ich aber, dass ich mit dem Kleidungnähen weitermachen möchte und dass ich unbedingt ein paar neue Taschen brauche. War nicht anders zu erwarten bei 'ner Frau, ne!? *lach*

An meinem Bloglayout würde ich gerne wieder ein bisschen herumschrauben. Andere Schrift, ein paar andere Bilder aufhängen, schicker und einheitlicher werden. Mal sehen, ob ich Mr. HTML erneut zu einem Date überreden kann. Findet ihr nicht auch, dass mein Foto rechts oben in der Sidebar unbedingt mal durch ein Schöneres ersetzt werden müsste? Eigentlich war es als Provisorium gedacht, aber da sieht man mal wieder, dass Provisorien oft am längsten halten. 2015 ist übrigens auch die Anschaffung einer neuen Kamera geplant, was mir bestimmt wieder einen Schub geben wird, meine Fotografie weiterzuentwickeln. Auch auf diesem Feld gibt es für mich noch unendlich viel zu lernen, und ich freue mich darauf.


Ja, und dann wäre da noch mein Shop. Da wird es die größte Veränderung geben. Nein, ich werde ihn nicht schließen! Aber ich habe beschlossen, den Verkauf genähter Sachen einzustellen und mich stattdessen voll und ganz auf das Schreiben von E-Books zu konzentrieren. Nicht nur, dass ich davon überzeugt bin, damit mehr Erfolg haben zu können, es macht mir auch einfach deutlich mehr Spaß. Ich fühle mich wie ein Fisch im Wasser (oder wie die Hummel auf dem Sonnenhut), wenn ich etwas Neues austüfteln und anderen etwas erklären kann. Das ist einfach mein Ding! War's schon immer. Handarbeit am Fließband, die immer gleichen Abläufe bei Shopfotografie, Bildbearbeitung und Online-Stellen empfinde ich auf Dauer als langweilig. Ich nähe gerne mal etwas auf Kundenwunsch, für die Familie und Freunde, aber vorerst nicht mehr für den Shop.

Warum ich mit meinen genähten Sachen bisher keinen finanziellen Erfolg hatte und ob es sich überhaupt lohnt, Genähtes auf DaWanda zu verkaufen - Darüber soll es demnächst mal einen ausführlichen Blogpost geben. Ich habe eine Menge Gedanken und Theorien dazu.

Sicher werde ich nicht alles schaffen, was ich mir vorgenommen habe, denn nobody is perfect und bekanntlich passiert das Leben, während man Pläne schmiedet, aber ich gebe mein Bestes.

Bei der Gelegenheit würde ich euch gerne mal um ein Feedback bitten und fragen, welche Themen euch interessieren. Worüber sollte ich 2015 mehr schreiben? Was ist weniger interessant? Gibt es ein Tutorial, das ihr euch mal wünschen würdet? Hach, das würde ich wirklich gerne wissen...

Freitag, 16. Januar 2015

Kissenschlacht mit Zwergen

Bevor ich euch zeige, was ich dem Heimwerkerkönig zu Weihnachten genäht habe, möchte ich euch erst mal ganz herzlich danken und feste umarmen! So viele liebe Kommentare habt ihr mir zu meinem 365-Tage-Quilt hinterlassen. Ich bin ungefähr einen halben Meter über dem Erdboden geschwebt... hachz... Allerdings nur so lange, bis mich eine schmerzhafte Verspannung in Schulter und Nacken wieder auf den Boden der Tatsachen geholt und direkt mal für ein paar Tage aus dem Verkehr gezogen hat. Autsch! ... So hatte ich mir den Jahresbeginn nicht vorgestellt.

Falls ihr in Erwägung zieht, 2015 einen 365-Tage-Quilt zu nähen, kann ich euch deshalb nur raten: Denkt an das Straßenkehrer-Beppo-Prinzip! Nicht nur für das Top, auch für das Quilting und Binding auf jeden Fall genug Zeit nehmen! Kein Quilt-Marathon auf den letzten Metern! Außer ihr wollt in meine Fußstapfen treten und eure Decke nach Fertigstellung gleich mal ganz intensiv auf der Couch testen.


Wieder was gelernt und gleich einen guten Vorsatz für 2015 gefasst: Sport ist unerlässlich, auch in der fahrradfreien Zeit! Ja, da geht kein Weg dran vorbei! ... Nun bin ich aber wieder fit und bereit, mit Lila-Lottas witzigen Carlitos-Zwergen ins neue Bloggerjahr zu starten. 


Entstanden ist eine fröhliche Kissenhülle in der Größe 50 x 50 cm mit einer selbstgemachten Paspel und einem Hotelverschluss auf der Rückseite. Aufmerksame Leser sehen natürlich sofort, dass hier ein paar Quadrate, die vom Quilt-Puzzeln übrig geblieben waren, zum Zug gekommen sind. Nur den lilafarbenen Stoff habe ich ergänzt. 


Der Heimwerkerkönig fand sein Geschenk prima und freut sich jetzt schon auf die kommende Gartensaison. Die ersten Osterglocken-Keimlinge wurden schon gesichtet. Jahaa, der Frühling kommt! 


In frühlingsfrischem Design präsentiert sich auch die diesjährige Tophill-Kissen-Party,
für die ich gerade noch so eine Eintrittskarte ergattern konnte. *hihi*


Mittwoch, 7. Januar 2015

Making-of | Mein 365-Tage-Quilt und wie er entstand

Einen Besenstrich nach dem anderen machen und nicht gleich an die ganze Straße denken! Das hat der Straßenkehrer Beppo der kleinen Momo geraten. Ein weiser Rat! Sicher hätte ich keinen Quilt aus 320 Stoffquadraten genäht, wenn Uli, das Königskind, im Januar 2014 nicht die Idee gehabt hätte, diesen großen Berg Arbeit nach dem Straßenkehrer-Beppo-Prinzip auf ein ganzes Jahr zu verteilen. Statt die Patchworkdecke in einem Rutsch zu nähen, wurden die Arbeitsschritte auf viele kleine Häppchen aufgeteilt, und statt alleine vor sich hinzuwerkeln, nähten wir in einer internationalen Gemeinschaft von mehr als 400 Bloggerinnen. Was für eine Motivation! Und was für ein Glücksgefühl, als ich mich am vorletzten Tag des Jahres nach all der Arbeit endlich unter meinen bunten Quilt kuscheln konnte. Wie er entstand, welche Techniken ich ausprobiert habe und weiterempfehlen kann - Das möchte ich euch heute berichten.


Planlos ins Abenteuer gestürzt. Ja, so könnte der Untertitel meines 365-Tage-Projekts wohl lauten. Um Harmonie und Spannung kreisten meine Gedanken, weniger um die Größe meines Quilts. Hätte ich doch darüber mal ein bisschen mehr nachgedacht. Ich wollte eine riesengroße Decke, unter die ich auch mal jemanden einladen kann, die ich um die kalten Eisfüße schlagen und trotzdem noch bis unter die Nasenspitze ziehen kann. Ein Frauenquilt eben! *lach* Das Resultat ist ein 160 x 200 cm großer Quilt, dessen Handhabung unter der Nähmaschine nicht immer so easy peasy war und für den ich mit Ach und Krach ein passend großes Stück Fleece als Rückseite auftreiben konnte. Ich denke, 20 Zentimeter weniger in der Breite und Länge hätten auch dicke gereicht und mir die Arbeit in einigen Momenten erleichtert.


Einmal begonnen entwickelte mein Quilt eine ganz eigene Dynamik; auch meine Arbeitsweise änderte sich mit der Zeit. Uli hatte ja die Grundidee, jeden Tag ein Quadrat zuzuschneiden und anzunähen - eben nach dem Straßenkehrer-Beppo-Prinzip -, aber davon bin ich schon im Februar abgekommen. Ich fand es unpraktisch und zu umständlich, jedes Mal ein einziges 11,5 x 11,5 cm großes Quadrat auszuschneiden. Auch die selbst gebastelte Pappschablone habe ich schnell in die Ecke gelegt und gegen das  Profi-Gerät der Patchworker getauscht: Lineal und Rollschneider! Exakter geht's nicht! Immer, wenn ich Zeit und Lust hatte, habe ich mit meinem Rollschneider vier Quadrate aus einem Stoff zugeschnitten. Hatte ich eine bunte Auswahl an Quadraten in meinem grünen Sternenkästchchen beisammen, ging's an's Puzzeln und Zusammennähen, was mir den allergrößten Spaß bereitete. So entstanden im einen Monat mal 2 Reihen, im anderen mal 4 oder auch gar keine. Ende September war das Top fertig, und ich erst mal ratlos, wie es weitergeht.


Ich schrieb eine E-Mail an meine Freundin Gesine, die auf ihrem Blog Allie & Me design immer wunderschöne Quilts zeigt und Ahnung von der Materie hat. Gesine gab mir viele Tipps und riet mir dazu, in das Fachgeschäft meines Vertrauens zu gehen und die Fühlprobe zu machen, um die für mich richtige Vlieseinlage zu finden. Dabei entstand die Idee, Gesine zu einem Bloginterview einzuladen, das ihr hier gerne nachlesen könnt: Die Patchworkelfe Gesine über das Quilten. Im Nähgeschäft entschied ich mich für ein amerikanisches Produkt: Warm & Natural, ein Vlies aus 100 % Baumwolle in 230 cm Breite. Einziger Haken: Es muss in der Badewanne mit lauwarmen Wasser vorgewaschen werden und am besten liegend trocknen. Ewig und drei Tage schob ich diese Aktion vor mir her. Auch hatte ich keine rechte Idee, wie die Rückseite werden sollte. Da kein Baumwollstoff breiter als 1,50 m liegt, hätte ich die Rückseite patchen müssen, und dazu fehlten mir irgendwie Zeit und Muße. Also verabschiedete ich mich vom Plan des ganz klassischen Quilt-Sandwichs bestehend aus Top, Vlies und Rückseite und suchte nach einem passenden Fleece. Dass nämlich ein Kuschelfleece als Rückseite auch ganz toll sein kann, habe ich im Oktober gesehen, als ich die liebe Marlies besuchte und bei ihrem schönen Fuchsquilt die Fühlprobe machte.


Es war nicht einfach, ein Fleece zu finden, das breiter als 160 cm liegt. Nachdem ich in meinen Lieblingsshops nicht fündig wurde, stieß ich bei Nähhimmel auf eines, das nicht nur von der Farbe her perfekt zu meinem Top passte, sondern auch sagenhafte 168 cm breit lag. Dann kam die große Herausforderung: Top und Fleece mussten glatt aufeinander gelegt und gut fixiert werden, damit später beim Quilten auch ja nichts verrutscht. Das ist sehr wichtig für ein schönes Ergebnis. Ich bin auf Nummer Supersicher gegangen und habe alle Hilfsmittel eingesetzt, die es so gibt: das Fleece mit Kreppband am Boden festgeklebt, beide Lagen mit Sprühkleber fixiert (siehe Gesines Tutorial), die Ränder mit langen Quiltnadeln gesteckt und noch zusätzlich 150 Sicherheitsnadeln über dem ganzen Quilt verteilt. Da sollte doch nichts schief gehen!


Der Aufwand hat sich gelohnt. Die beiden Lagen haben beim Quilten super aufeinander gehalten und sich kein bisschen verschoben. Der Sprühkleber hat mir zwar ziemlich den Boden verklebt, aber das kann man ja hinterher wieder wegwischen. Weniger überzeugt haben mich die teuren, gebogenen Sicherheitsnadeln von Prym. Sie ließen sich nur schwer durch beide Lagen stechen und hinterließen leider kleine Löcher, die sich auch nicht wegbügeln ließen. Mal sehen, ob sie vielleicht nach einer Runde in der Waschmaschine verschwinden. Vielleicht gibt es auch feinere Nadeln, die geeigneter für mein Projekt gewesen wären. Die langen, dünnen Quiltnadeln gingen jedenfalls butterweich durch die Stoffe.


Dank meiner Pfaff Ambition Essential mit 20 cm Platz rechts neben der Nadel war das Quilten meiner Monsterdecke zwar kein Kinderspiel, aber machbar. Gut sieben Stunden habe ich dafür gebraucht - ein zeitlicher Aufwand, den ich völlig unterschätzt habe, auch den Muskelkater in Armen und Händen am nächsten Tag. *lach* So eine große Decke wiegt doch einiges, und das Hin- und Herhieven ist dementsprechend anstrengend. Damit sich trotz Sprühkleber und Nadeln nichts verschiebt, habe ich von der Mitte aus zum Rand hin gequiltet, 4 mm links und rechts neben der Naht. Für den Oberfaden habe ich 200 Meter weißes Mettler-Quiltgarn verbraucht, für den Unterfaden 200 Meter türkisfarbenes Allesnähergarn von Gütermann. Eine spezielle Quilt-Nähmaschinennadel hatte ich vergessen zu besorgen und deshalb eine Universalnadel benutzt. Die Nähte habe ich nicht verriegelt, sondern den Oberfaden später mit der Nähnadel auf die Rückseite durchgezogen und dort mit dem Unterfaden verknotet. Bei einem hochflorigen Fleece wie meinem kann man das ganz gut machen.


Ganz ehrlich: Das Quilten hatte ich mir irgendwie netter vorgestellt. Mein Arbeitstisch war zu klein, die Decke zu schwer, beim Nähen musste sie ständig zurechtgelegt werden, damit sie nicht mit ihrem ganzen Gewicht in eine Richtung zog und das Stichbild veränderte. Aaanstrengend! Während ich quiltete, schwor ich mir, das Binding auf keinen Fall von Hand anzunähen. Das würde ich mir nicht auch noch antun. Schließlich waren nur noch drei Tage Zeit bis Silvester, und ich wollte meinen 365-Tage-Quilt unbedingt bis zum Jahresende fertiggenäht haben. Und was habe ich gemacht? Ich hab's von Hand angenäht! *lach* Schuld daran ist die liebe Gesine, die in unserem Interview davon schwärmte, was für ein schöner Abschluss es ist, wenn man am Ende kuschelig warm unter der Decke sitzt und das Binding annäht. Ich wollte sehen, ob mich dieser Quiltzauber auch erfasst... und muss sagen: Ja! Das Annähen des Bindings war für mich einer der schönsten Arbeitsschritte. Es hat auf zwei Tage verteilt mit kleinen Instagram-Pausen etwa acht Stunden gedauert, war aber wirklich ein genussvoller, besinnlicher Abschluss dieses großen Nähprojektes.


Mein allererstes, von Hand genähtes Binding mit Briefecken! Ich bin mehr als zufrieden. Auf der Suche nach einer Anleitung bin ich bei "Die Grundlagen des Patchworks" von Elizabeth Hartman hängengeblieben. Sie beschreibt sehr präzise und anhand vieler schlüssiger Fotos, wie das Binding mit der Nähmaschine an den Quilt genäht und anschließend von Hand fertiggestellt wird. Ein wenig unterschätzt habe ich, wie viel vom Binding durch das Umschlagen verloren geht. Dass die Einfassung auf der Fleeceseite nur etwa 1 cm breit ist, war so nicht geplant. Beim nächsten Mal werde ich das stärker berücksichtigen. Für diesen Quilt habe ich den Einfassstreifen 11 cm breit zugeschnitten, 12 bis 12,5 cm wären besser gewesen.


Das Wunderbare an diesem 365-Tage-Quilt ist, dass er untrennbar mit dem Jahr 2014 verknüpft ist. Wenn ich unter der Decke liege und meinen Blick über die Stoffe streifen lasse, erinnere ich mich an viele kleine Nähprojekte, an Urlaube, Begegnungen und an liebe Bloggerfreunde, die mit mir Stoffe getauscht oder mir sogar welche geschenkt haben. Besonders mein Stoffzwilling Nane hat mir viele tolle Stoffstücke geschenkt; ohne sie wäre der Quilt nur halb so schön geworden.


Ich liebe meine bunte Monsterdecke Jahrgang 2014 und freue mich jetzt schon auf das nächste Quilt-Projekt. Vielleicht eine Decke mit Chevron-Muster, im Triangle-Design oder mit Sternen? Ich weiß noch nicht. Eins steht aber fest: Das war nicht die letzte Decke! Denn ich kenne ihn jetzt, den Quiltzauber.


Nur zu gerne verlinke ich meinen ersten Quilt heute bei Gesines Quilt Collection.